21. Februar 2012

Guthug - Tibetische "Silvestersuppe"

Zwei Tage vor Beginn des Neujahrs, das dieses Jahr auf den 22. Februar fällt, isst man in vielen tibetischen Haushalten auf der ganzen Welt dasselbe in Grün: Die traditionelle “Silvester-Suppe” genannt Guthug. Wörtlich bedeutet es eigentlich “Neuner Suppe”, da sie am 29. Tag des letzten Monats im alten Jahr gegessen wird (ein tibetischer Monat hat immer 30 Tage).

Unser Grosi Néné bringt uns bei, wie man eine tibetische Silvestersuppe für 4 Personen kocht. Dazu braucht man:

Fertige Guthug; im Löffel ein symbolischer
"Weder Fisch noch Vogel"
Für die Suppe
 Öl
1 Zwiebel
1.5 l Gemüsebouillon

Für die Einlage
750 g Mehl
Etwas Wasser
2 Blöcke gefrorener Blattspinat
1 kleiner Rettich

Für die Füllung der Teigbällchen
1 Papierschipsel
Kleines Stück Watte
Kleines Stückchen Holz (von einem Zahnstocher oder so)
1 Rettichstückchen
Kleiner Krumen Kohle oder etwas ähnliches
1 Kieselstein (oder 1 Kaffeelöffel Salz)
1 Kaffeelöffel Tsampa oder etwas ähnliches

Als Erstes die Einlage vorbereiten: Spinat zerkleinern, Rettich in dünne Scheiben schneiden. Danach Mehl in eine Schüssel geben und mit etwas Wasser zu einem geschmeidigen Teig kneten. 15 kleine Teigbällchen, jedes halb so gross wie ein Pingpong Ball, vom Hauptteig wegklauben und bei Seite stellen.

Teigbällchen im vordern Teil vom Tablar. Im 
hinteren Teil die Teigstücken à la Gnocchi sardi
Den Rest vom Teig ebenfalls in kleine Teigbällchen zerlegen und diese dann zwischen den Handflächen zu Schlangen rollen von ca. 1 cm Durchmesser (je dicker, desto länger die Kochzeit). 

Dann kleine Stückchen von der Teigschlange abzupfen etwa so gross wie „Gnocchi sardi“ und auf eine bemehlte Fläche geben. So fortfahren bis der gesamte Teig aufgebraucht ist. Das ist der Hauptbestandteil der Einlage.

Dann kommen die 15 Teigbällchen dran. Diese machen aus einer normalen tibetischen Suppe (Thugpa) erst eine Silvestersuppe: In jedes der Teigbällchen werden die oben aufgelisteten Dinge hinein geknetet, die je eine symbolische Bedeutung haben.


  1. Papier: Du bist manchmal etwas flatterhaft
  2. Watte: Du hast ein reines Gewissen
  3. Holz:  Du bist nicht so flexibel, eben starr wie Holz
  4. Rettich: Du furzst gerne :--)
  5. Kohle: Du bist gerne mal gemein
  6. Stein: Du bist eher faul, kriegst dein Hinterteil nur schwer hoch :--)
  7. Tsampa: Du bist manchmal leicht zu beeinflussen (ähnlich wie beim Papier)
Teigbälle 8 bis 15 haben keine Füllung, sondern werden in die besagte Form geknetet und haben ebenso symbolische Bedeutung:

  • Sonne: Du bist ein Sonnenschein
  • Mond: Du bist cool
  • Teppich: Du hast es gern gemütlich
  • Dornenkranz: Du kannst manchmal kratzbürstig sein
  • Schöpflöffel mit dem krummen Hals: Du bist ein Faulenzer
  • Weder Fisch noch Vogel (s. Bild): Du weisst nicht so recht, was du willst
  • Dickbauch (längliches Stück Teig mit einem dickeren Ende): Du bist immer hungrig
  • Glückstopf: Dir wird es im Leben an nichts mangeln
Nun die Zwiebeln anbraten, danach mit Gemüsebouillon ablöschen und den geschnittenen Rettich dazugeben, danach die Teig-Einlage und zuletzt den Spinat hinzufügen. Alles ca. 10 Minuten kochen. Die Suppe ist gar, wenn die Teigklümpchen an die Oberfläche driften.

Teigbällchen driften nach oben: Die Guthug ist bereit zum Verzehr!
Beim Servieren kommt der Gag: Wer hat den Rettich bekommen? Wer die Kohle? Wer die Watte? Die gefüllten Teigklösse im Teller auf keinen Fall essen, sondern herausfischen und vor den Augen aller halbieren, damit jeder sieht, wer was bekommen hat. Es ist besonders lustig, wenn jemand, das bekommt, was er vermeintlich „wirklich ist“ :--) 

Unsere Guthug Variante ist vegetarisch. Man kann seine Guthug aber natürlich auch mit Fleischstückchen drin zubereiten. Dazu das Fleisch einfach kleinwürfeln und nach der gehackten Zwiebel mitanbraten.

Die tibetische Silvestersuppe schmeckt an einem kalten Winterabend besonders lecker.

Viel Spass und en Guete mitenand!

Wer ist ein "Sonnenschein"? Wer ein
Faulenzer?



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